Resilienz – Balanceakt zwischen Leistung und Gesundheit

In einer Zeit der Schnelllebigkeit und stetigen Veränderung wird Resilienz immer mehr zum strategischen Schlüsselfaktor. Die innere Widerstandskraft eines Menschen ist die Fähigkeit, sich schnell und erfolgreich an sich ständig verändernde Anforderungen anzupassen, und besteht aus einem ganzen Bündel an Schutzfaktoren, die unsere emotionale Stabilität und seelische Widerstandskraft stärken und uns mit Zuversicht neue Wege gehen lassen. Diese Fähigkeit kann man als Immunsystem der Seele oder noch treffender als »Stehaufmännchen-Kompetenz« beschreiben.

Resilienz – Wissenschaftlicher Hintergrund

Resilienz – Balanceakt zwischen Leistung und Gesundheit

Mitte des 20. Jahrhunderts untersuchte die amerikanische Entwicklungspsychologin Emmy E. Werner das Phänomen, warum es manchen Menschen gelingt, an seelischen Krisen und Überforderungen nicht zu zerbrechen, sondern ganz im Gegenteil daran zu wachsen und ihr Selbstbewusstsein auszubilden. Werner konnte sieben Schlüsselfaktoren definieren, die entscheiden, ob Menschen resilient sind und somit Krisen verkraften oder sogar gestärkt aus solchen Situationen hervorgehen. Diese Schutzfaktoren sind:


  1. Akzeptanz: Belastungen werden im ersten Schritt als »Prüfsteine des Lebens« anerkannt, man muss genau hinschauen, um was es wirklich geht, um sie dann bewältigen zu können. Die aktuelle Problemsituation oder Emotion und die innere Zustimmung zu dem wie es jetzt gerade ist, werden angenommen. Nicht weil man das so haben will oder es einem so gefällt, »sondern weil es ist, was es ist«! Dabei helfen Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und die Aufmerksamkeit mehr auf Gegenwart und Zukunft als auf die Vergangenheit zu richten.
  2. Realistischer Optimismus: Optimismus ist die unerschütterliche Überzeugung, dass Krisen zeitlich begrenzt sind und überwunden werden können. Bei aller Herausforderung bleibt der Blick auf das Positive erhalten. Dabei hilft es, den Fokus konsequent auf das zu richten, was gut ist, auf das, was Sie haben, statt auf das, was fehlt. Neben Mental- und Körpertechniken hilft auch die Kultivierung von Dankbarkeit – vor allem für die kleinen Dinge im Alltag.
  3. Selbstwirksamkeitsüberzeugung: Wenn Sie denken »Das geht bestimmt schief!«, dann wird es schiefgehen. Wenn Sie sich hingegen sicher sind »Das bekomme ich hin, das schaffe ich!«, dann werden Sie alles daransetzen, dass Sie es auch schaffen. Entwickeln Sie ein gesundes Selbstvertrauen. Wichtig ist, dass Sie Ihre Bedürfnisse kennen und ausleben. Was ist Ihnen wichtig? Was tun Sie gern oder sogar mit Begeisterung? Wofür hätten Sie gerne mehr Zeit?
  4. Übernahme von Verantwortung: Verantwortung übernehmen bedeutet für sich selbst zu sorgen, zu dem zu stehen, was man tut oder unterlässt, und die Konsequenzen dafür zu tragen. Verantwortung für die aktuelle und zukünftige Lebenssituation übernehmen. Mitverantwortung für andere haben, die noch nicht oder nur mehr teilweise Verantwortung für sich selbst übernehmen können (z.B. für unsere Kinder oder unsere betagten Eltern).
  5. Netzwerkorientierung: Gute soziale Netzwerke sind für uns und unsere innere Stärke lebenswichtig. Zum sozialen Netzwerk zählen die Familie, die Freunde, der Arbeitsplatz, Berufsorganisationen, Vereine, Freizeitaktivitäten u. a. – Wenn Sie ein eher zurückhaltender Typ sind, brauchen Sie sich nicht plötzlich zum perfekten Netzwerker zu verwandeln. Doch Sie stärken Ihre Resilienz enorm, wenn Sie flexibler in Ihren Denkmustern und damit auch im Handeln werden.
  6. Lösungsorientierung: Resiliente Menschen sehen Probleme als »Normalfall des Lebens«. Statt mit Ihren Gefühlen und Gedanken immer wieder um ein Problem zu kreisen und nach dessen Ursachen zu forschen, können Sie auch ganz einfach prüfen, was gut funktioniert – Sie sollten sich auf die Aufgaben konzentrieren, die Sie weiterbringen. Im zwischenmenschlichen Bereich bedeutet lösungsorientiertes Verhalten, dass Sie sich auf negative Emotionen möglichst nicht einlassen.
  7. Zukunftsorientierung: Um uns wohlzufühlen und zufrieden zu sein, brauchen wir eine gute Balance zwischen Gegenwart und Zukunft. Wer immer nur rennt, weil er mehr und mehr tun oder haben will, wird sich schließlich selbst verlieren. Nehmen Sie sich bewusst im Hier und Jetzt wahr und seien Sie sich darüber im Klaren, dass alles im Leben seine Zeit hat. Entscheidend für Ihre Zukunftsplanung ist, dass Sie ein Ziel haben, dass Sie wissen, was Sie wollen. Dieses Ziel sollte für Sie selbst erreichbar und attraktiv sein. Sie sollten durch die Zielerreichung mehr für sich herausziehen können als es Sie an Mühe, Anstrengung und Zeit gekostet hat.

Praxistipps für Ihren Alltag

Prävention - Praxistipps für Ihren Alltag

Gute-Laune-Lächeln

In Stresssituationen ist einem nicht zum Lachen zumute. Versuchen Sie es trotzdem, nur für sich selbst. Auch wenn es nur ein schiefes, gekünsteltes Lächeln wird. Ihr Gehirn kann nicht unterscheiden, ob Sie nur so tun oder ob Sie wirklich gut drauf sind. Es sendet jedenfalls entsprechende Botenstoffe aus, die bereits nach einer Minute zu einer spürbaren Verbesserung Ihrer Stimmung führen. Die Übung rund 90 Sekunden durchführen.

Atemzählen – fördert die Konzentration

Schließen Sie die Augen und konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem. Atmen Sie tief und entspannt ein und aus. Zählen Sie mit jedem Einatmen innerlich von eins bis vier, mit jedem Ausatmen von eins bis sechs, dann machen Sie eine kurze Atempause, bis das Einatmen wieder von alleine einsetzt. Führen Sie insgesamt zehn Wiederholungen durch. Diese Atemübung kann überall und jederzeit im Alltag eingebaut werden.

Mag. Ingrid PartlMag. Ingrid Partl ist als diplomierter systemischer Master Coach (zertifiziert nach ISO 17024) und Unternehmensberaterin mit eigener Praxis in Innsbruck tätig. Neben dem systemischen Coaching zur Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt sie sich mit Betrieblicher Gesundheitsförderung und begleitet Unternehmen auch bei der Evaluierung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz. Seminare, Workshops, Trainings und Impulsreferate runden das Angebot ab. Als diplomierte Expertin für Burnout- und Stress-Prävention und diplomierte Entspannungstrainerin sowie zertifizierte Biofeedback-Trainerin unterstützt sie Menschen auf ihrem Weg zu einem erfolgreichen und stressfreieren Leben, beruflich wie privat.

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