Futter für die Bandscheiben

Wie Sie mit der richtigen Ernährung und Bewegung Ihre Bandscheiben präventiv und regenerativ unterstützen können.

Nur mal schnell die Bierkiste aus dem Auto gehoben und schon ist es passiert: Bandscheibenvorfall. Der Rücken schmerzt, die Schmerzen strahlen bis in die Beine aus und Bewegungen sind nur mehr sehr schwer oder gar nicht mehr möglich. Autsch! So unerwartet der Prolaps (= Bandscheibenvorfall) für die meisten Patienten auftritt, sind die Vorboten oft immer häufiger auftretende Lumbagos – im Volksmund auch “Hexenschuss” genannt. Durch den degenerativen und normalen Alterungsprozess der Bandscheibe, gepaart mit über viele Jahre andauernden Fehlbelastungen (z.B. falsche Hebetechniken, zu viel Sitzen, zu wenig Bewegung), kann es schlussendlich zum gefürchteten Bandscheibenvorfall kommen. Der Alterungsprozess ist die häufigste Ursache, da die Bandscheibe im Alter ihre Elastizität und Schutzfunktion verliert. Umso wichtiger ist es daher, bereits in jüngeren Jahren entsprechend präventiv vorzubeugen. Denn eines gleich vorneweg: Die wichtigste Ernährung für gesunde Bandscheiben ist und bleibt die Bewegung. Nur durch die Wechseldruckbelastung (wie sie z.B. beim Gehen oder Laufen erfolgt) kann die nährstoffreiche Flüssigkeit in die Bandscheibe gelangen, die von ihr wie ein Schwamm vollgesaugt wird. Die Bandscheiben bestehen aus einem gallertartigen Kern im Inneren, der von einem Knorpelfaserring umschlossen wird. Bei der Entlastung wird die Flüssigkeit mit den für die Bandscheibe lebensnotwendigen Nährstoffen vollgesaugt, bei Belastung wieder herausgedrückt. Stundenlanges Sitzen oder Stehen belastet die Bandscheiben nur einseitig, der Austausch kann nicht mehr stattfinden. Somit ist der Wechsel aus Be- und Entlastung essentiell für eine gesunde Bandscheibe bzw. für die Zeit nach einem Bandscheibenvorfall.

Prävention: Dem Bandscheibenvorfall vorbeugen

Prävention: Dem Bandscheibenvorfall vorbeugen

Bandscheibenvorfall vorbeugen – Fotolia © sabine hürdler

Denn auch wenn der Bandscheibenvorfall für Betroffene oftmals unerwartet erscheint: Jetzt wird auch klar, dass das Bandscheibenmaterial, das durch eine ungünstige Bewegung stark überlastet wird, bereits zuvor geschädigt war. Meistens ausgelöst durch einen ungünstigen Lebensstil mit einseitigen Belastungen ohne der so dringend zur Ernährung der Bandscheiben benötigen Wechseldruckbelastung. Die Bandscheibe verhungert also im wahrsten Sinne des Wortes. Und das leider häufig auch, ohne dass Symptome bzw. Schmerzen uns auf die jahrelange Fehlbelastung hingewiesen hätten. Oft ist es die berühmte Bierkiste (schwere Last), die mit einer unglücklich kombinierten Bewegung aus Vorneigung (aus dem Auto heben) und Drehung (zur Seite stellen) die letzten intakten Faserringe der Bandscheibe zerstört und den innen liegenden Gallertkern nach außen treten lässt. Und schlussendlich das berühmte Fass zum Überlaufen bringt. Diagnose: Bandscheibenprolaps bzw. Bandscheibenvorfall.



Wenn die konservative Therapie mit Stufenlagerung, Wärme und/oder muskelentspannende Medikamente nicht zum gewünschten Erfolg führt, bleibt einem die OP leider oftmals nicht mehr erspart. Wichtig ist es dann aber in diesem Fall ganz besonders, auf Bewegung und Ernährung zu achten und seinen Körper bei der Regeneration bestmöglich zu unterstützen.

Effektives und gezieltes Rückentraining mit professioneller Hilfe

Empfehlenswert ist es daher, nach der Operation zunächst mit Hilfe eines Physiotherapeuten bzw. später mit einem ausgebildeten Fitnesstrainer, mit einem Rückenaufbautraining zu starten. Denn Sie wissen ja: Ihre Bandscheiben brauchen Bewegung. Daher wäre es absolut kontraproduktiv nach erfolgter OP bzw. Therapie den “Schongang” einzulegen. Schließlich hat dieser oft das Problem überhaupt erst ausgelöst! Und auch mit der richtigen Ernährung können Sie Ihrer Wirbelsäule viel Gutes tun und präventiv vorbeugen bzw. die Regeneration durch eine optimale Nahrungszusammensetzung unterstützen. Im Falle einer bestehenden Verletzung ist es daher umso wichtiger und sinnvoller, Ihre Regeneration mit Nährstoffen aus der Nahrung zu unterstützen. Die beste Apotheke ist die Natur – von daher ist es auch in diesem Fall ratsam, auf möglichst unverarbeitete und natürliche Lebensmittel zurück zu greifen. Insbesondere nach einer Verletzung oder OP sollten Sie Ihren Körper mit ausreichend

  • Omega-3-Fettsäuren (z.B. in Leinöl, Leinsamen, Hanfsamen, Lachs, Hering) als Bausteine der Zellmembran,
  • Vitamin C für das Immunsystem bzw. die Regeneration des Bindegewebes (z.B. Petersilie, Brokkoli, Paprika, Grünkohl),
  • Vitamin E als Antioxidans, das die Zellteilung unterstützt (enthalten in Pflanzenölen, Vollkorngetreide, Bohnen, Gemüse)
  • und dem Antioxidans Zink (Käse, Vollkorn, Nüsse, Pilze, Meeresfrüchte)

versorgen.

Vermeiden sollten Sie hingegen zu viel Glutaminsäure (v.a. in Fertigprodukten, Hefeextrakten), Asparaginsäure (in Aspartam-Süßstoff) und Arachidonsäure (v.a. in Schweineschmalz, Weichkäse, Schweinefleisch) sowie Pflanzenöle mit einem schlechten Omega-3/Omega-6-Fettsäuren-Verhältnis: Ein Überangebot von Omega-6-Fettsäuren (Linolsäure), wie es z.B. durch den häufigen Verzehr von Distel,- Soja- oder Sonnenblumenöl eintreten kann, fördert nämlich die Bildung der bereits oben erwähnten Arachidonsäure, woraus in der Folge entzündungsfördernde Substanzen entstehen können. Und gerade wenn Sie bereits an Entzündungen (z.B. durch Verletzungen an der Wirbelsäule) leiden, ist eine Ernährung mit reichlich Omega-6-Fettsäuren mehr konterproduktiv als förderlich.

Daher ist es für Sie hinsichtlich der richtigen Auswahl von Pflanzenölen wesentlich, auf Öle mit einem guten Omega-3/Omega-6-Fettsäuren-Verhältnis zu achten: Dabei sind besonders Leinöl, Hanföl oder Walnussöl hervorzuheben, die Sie wie Nüsse und Samen für ein günstigeres Fettsäuren-Verhältnis ruhig öfters in Ihren Speiseplan aufnehmen sollten: Schon 20 g Walnusskerne tragen mit 1,6 g Omega-3-Fettsäuren zu einem günstigerem Verhältnis bei. Ansonsten empfiehlt es sich, Leinsamen oder etwas Leinöl ins Müsli zu geben oder den Salat mit Walnussöl, Hanfsamen oder Walnusskernen zu verfeinern.

Auch bei allgemeinen Wirbelsäulenproblemen gilt: Trinken Sie ausreichend. Und zwar das Richtige. Kohlensäurearmes Mineralwasser mit einem guten Verhältnis von Magnesium, Calcium und Kalium wäre empfehlenswert: So empfehlen beispielsweise Stübel et al. (2012: 96) ein Wasser mit einem Gehalt pro Liter von ca. 200 mg Calcium, 60-80 mg Magnesium und 8-10 mg Kalium. Doch auch normales Leitungswasser ist zu empfehlen, wenn Sie Ihren Mineralstoffbedarf über eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung decken, weshalb Sie übrigens auch getrost (vorausgesetzt, es existiert kein gravierender und ärztlich festgestellter Mangel) auf Nahrungsergänzungsmittel verzichten können:

Als gute Magnesiumquellen gelten allgemein Vollkornprodukte, Bohnen, Sesam, Sonnenblumenkerne und Nüsse und so decken beispielsweise 100 g Amaranth oder 100 g Quinoa mit 10 g Kürbiskernen bereits Ihren Tagesbedarf. Magnesium kann eine Entspannung Ihrer Muskulatur bewirken und ist generell förderlich, wenn es um regenerationsunterstützende Maßnahmen geht.

Kalium ist u.a. für die Funktionsfähigkeit unserer Nerven, Zellen und Muskeln verantwortlich und steckt v.a. in Gemüse, Obst, Fleisch, Nüssen, Kakao, Trockenobst oder Quinoa. Mit 100 g Quinoa, 50 g Haferflocken, 20 g Datteln, 150 g Grünkohl und 50 g Pistazien über den Tag verteilt decken Sie Ihren täglichen Kaliumbedarf ebenso wie mit einem Stück Rinderfilet, Spinat und 2 Kartoffeln.

Wenn es um Knochen geht, darf Calcium nicht fehlen: Der Baustein unserer Knochen ist ebenso zuständig für die Weiterleitung von Nervensignalen in den Muskeln und schüttet zudem Hormone und Enzyme aus. Sehr viel Calcium steckt übrigens in Brennnesseln oder in Salbei. Aber auch Grünkohl, Brokkoli, Chiasamen, Sesam, Käse, Mandeln, Paranüsse oder Haselnüsse sind wertvolle Calcium-Lieferanten.

Zusammengefasst kann somit festgestellt werden, dass die berühmten drei Säulen Bewegung, Entspannung und Ernährung allesamt gleichermaßen bedeutsam sind, wenn es um unsere Rückengesundheit geht. Ob Sie präventiv vorbeugen wollen oder bereits nach erfolgter Therapie oder OP regenerativ unterstützen müssen: Achten Sie auf ein gesundes Gleichgewicht aus Bewegung und Entspannung und unterstützen Sie Ihren Körper dabei mit einer ausgewogenen und nährstoffreichen Ernährung. Er wird es Ihnen mit viel Vitalität danken!

Dr. Katharina Motz ist selbstständige Ernährungsberaterin und Fitnesstrainerin (spezialisiert auf funktionales Bodyweight-Training) in Salzburg und Bayern (www.glüxmomente.com) und beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit dem Zusammenhang von Bewegung und der richtigen Ernährung auf unsere Gesundheit.

Futter für die Bandscheiben
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5 Gedanken zu “Futter für die Bandscheiben

  1. Interessant, das man mit der richtigen Ernährung günstig auf die Bandscheiben einwirken kann und sogar einem Bandscheibenvorfall entgegenwirken bzw. vorbeugen kann…darüber war ich mit bisher nicht bewusst. Man lernt nie aus. Danke, LT

    • Hallo Holger, bei Milch kommt es zunächst mal immer darauf an, ob man sie denn überhaupt verträgt. Ist das nicht der Fall, ist (Kuh-)Milch bzw. laktosehaltige Milch (je nachdem, welche Bestandteile der Milch man nicht/schlecht verträgt) natürlich so gut es geht zu meiden, da sie somit für den Einzelnen durchaus schädlich sein kann. Geht es nur um das Calcium-Thema, kann man Milch getrost durch Ca-reiche Lebensmittel wie Nüsse oder grünes Gemüse (siehe oben) ersetzen. Darüber hinaus sind beim Thema Knochengesundheit und Calcium-Einlagerung auch immer Vitamin D (wird für die Ca-Aufnahme benötigt) und Bewegung notwendig, weshalb ich persönlich v.a. Outdoor-Sport empfehle. Solange möglichst naturbelassene Milchprodukte (z.B. Naturjoghurt, Kefir oder Buttermilch) in moderaten Mengen konsumiert werden, würde ich Milch nicht per se als schädlich bezeichnen. Wie bei so vielen Bereichen der Ernährung gilt aber auch bei der Milch meiner Meinung nach, dass die Dosis das Gift macht. Allerdings muss ich hier leider darauf hinweisen, dass die Studienlage zum Thema Milch alles andere als eindeutig ist, weshalb ich in diesem Fall an die eigene Wahrnehmung plädiere: Tut mir Milch gut (d.h. ist sie gut für mich verträglich), ist sie in moderaten Mengen genossen für mich gewiss nicht schädlich. Und nochmals: nur Milch aufgrund der Calcium-Thematik zu konsumieren, ist zum Glück längst widerlegt. Das zumindest definitiv 🙂 Hoffe, ich konnte etwas Licht ins Dunkel bringen – auch wenn ich keine eindeutige Antwort zu Ihrer Frage geben konnte. Herzliche Grüße, Katharina Motz

  2. Bumm! 🙂 Vielen Dank für diese sehr ausführliche Auskunft, womit ich nicht gerechnet hätte aber umso mehr freut. Daumen nach oben, machen sie weiter so mit Ihrer Seite Frau Motz! Schöne Grüße, Holger

    • Das freut mich sehr und vielen lieben Dank für das nette Feedback, Holger! Eigentlich ist die gesunde Ernährung ja nicht wirklich kompliziert – wenn es denn aber um konkrete und v.a. individuelle Fragestellungen geht, ist sie dann doch öfters komplexer als gedacht 🙂 Siehe deshalb meine etwas ausführliche Antwort 😉 Weil sooooo einfach ist sie dann halt doch wieder nicht – aber genau deshalb gibt es ja zum Glück Experten, die hier weiterhelfen können 😉

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