Vom guten Bauchgefühl zum nachhaltigen Wohlbefinden

Mancher, der seinem Bauchgefühl – und somit seinem Darmnervensystem – Achtsamkeit entgegenbringt, wird gerne belächelt. Die Reaktion anderer sollte aber niemanden davon abhalten, seinem Gefühl zu folgen. Die unbewusste Meldung, auf die mancher reagiert, entstammt nämlich dem sogenannten Bauchhirn.

Dabei handelt es sich nicht um ein denkendes Organ, das im Bauch zu finden wäre. Vielmehr wird das enterische Nervensystem aus Verdauungssystem, Sympathikus und Parasympathikus wegen seiner neuronalen Ähnlichkeit zum Gehirn oft mit einer Metapher als “Bauchgehirn” beschrieben. Es hat seine eigene Logik und kann Informationen senden, speichern und empfangen.

Das autonom arbeitende Bauchgehirn entwickelte sich in der Evolutionsgeschichte bereits, bevor sich das Gehirn vergrößerte und der Mensch sich zum denkenden Wesen entwickelte. Das enterische Nervensystem (ENS) kann jedoch keine kognitiven Prozesse ausführen. Es fungiert als wichtige Melde- und Schaltzentrale im Organismus.

Das Bauchhirn beeinflusst unsere Gefühle

Bauchgefühl

Interessant ist, dass sich das Bauchhirn als komplexes Geflecht von Nervenzellen im gesamten Gastrointestinal-Trakt ausbreitet. Es enthält deutlich mehr Neuronen als das Rückenmark. Leider ist dieses Phänomen noch nicht so weit erforscht, dass die Forscher sich über seine komplexe Funktionsweise einig wären. Unstrittig ist aber die Existenz einer intelligenten Instanz im Bauchraum, die unter anderem unsere Gefühle steuert oder auf diese reagiert. Sie beeinflusst, wie wir uns selbst wahrnehmen und fühlen. Wir tun vieles aus dem Bauch heraus und beziehen uns dabei auf unsere Intuition. Heutige Manager werden aufgefordert, nicht nur analytisch und logisch zu denken, sondern auch aus dem Bauchgefühl heraus Entscheidungen zu treffen. Einen guten “Instinkt” oder einen “sechsten Sinn” zu entwickeln, ist manchmal sehr erfolgreich. Mit beiden Begriffen wird das Bauchgehirn umschrieben.

Das Bauchgefühl verdient mehr Achtsamkeit

Das ENS wird oft von anderen Instanzen in uns übertönt. Würden wir öfter auf unseren Bauch hören, würden wir uns mehr um Prävention kümmern oder aufhören, zu rauchen. Eine Instanz in uns weiß und meldet wiederholt, dass Dinge nicht in Ordnung sind. Es ist meist ein unbestimmtes, manchmal aber dringliches Gefühl, das uns veranlassen will, etwas zu tun oder zu unterlassen. Wir übergehen es, weil der Verstand, mediale Einflüsse oder der Terminplan die Regie übernehmen. Wir sprechen etwas abfällig von einem Gefühl, weil das Bauchhirn nicht argumentiert. Es macht sich oft nur als vages oder unbestimmtes Fühlen bemerkbar. Folgen wir ihm, ersparen wir uns manchen Ärger oder gewinnen gar im Lotto. Mancher nennt den Bauch einen “Seismografen der Seele”. Nach dem Tod arbeitet das eigenständige Verdauungssystem noch 24 Stunden weiter. Es führt in vieler Hinsicht ein Eigenleben. Das Darmnervensystem reguliert nicht nur sämtliche Verdauungstätigkeiten, sondern sorgt auch dafür, dass wir Konflikte “verdauen” können, Schmetterlingsgefühle im Bauch haben oder klügere Entscheidungen treffen. Möglicherweise beruht Letzteres auf einem Informationsaustausch zwischen dem Gehirn und dem enterischen Nervensystem.

Das Bauchgefühl wird oft übertönt

Vielen Menschen ging im Getöse unserer modernen Lebenswelt der Zugang zum Bauchgefühl verloren. Sie verlassen sich nicht mehr auf den sechsten Sinn, sondern bevorzugen den ständigen Informationsfluss anderer Instanzen. Doch das Bauchhirn existiert nicht umsonst. Es dient uns als Wächter, Mahner und Warner, dem wir zuhören sollten. Wer auf sein Bauchgefühl hört, weiß anhand von leisen oder lauten Alarmsignalen, dass Dauerstress krank macht und eine destruktive Beziehung beendet werden müsste. Alle Argumente, die uns gegenteilig entscheiden lassen, überstimmen das Bauchgehirn. Das aber könnten wir ändern. Das Bauchgehirn sorgt sich um unser Wohlbefinden, indem es versucht, unsere Entscheidungen positiv zu beeinflussen. Unsere Intelligenz ist nicht allein eine Sache der Gehirnkapazität. Unsere Entscheidungen beruhen auf kognitiven Prozessen oder logischen Argumenten, die allein das Gehirn leisten kann. Doch sie werden ergänzt durch intuitive Prozesse und unsere emotionale Intelligenz.

Hören Sie mal wieder in sich hinein

Vom guten Bauchgefühl zum nachhaltigen Wohlbefinden

Wie steht es um Ihr Bauchgefühl? – Fotolia © inarik

Viele Wissenschaftler glauben, dass die Bauchhirn-Kommandozentrale unser Wohlbefinden eher im Blick hat, als unser Kopf. Dass wir mehr auf den Verstand, mediale Meinungsmacher und andere Einflussnehmer hören als auf das Bauchgehirn, ist vielleicht sogar gewollt. Wir sind leichter steuerbar, wenn wir anderen Instanzen folgen. Zudem sehen viele Menschen eine Gabe wie “Hellfühligkeit” als esoterisch oder typisch weiblich an. Tatsächlich folgen Frauen oft eher ihren Gefühlen als Männer, die gerne analytisch denken. Gefühle sind allerdings manipulierbar. Das Bauchgehirn hingegen nicht. Es ist lernfähig und kann Informationen oder Emotionen speichern. Mehr Achtsamkeit auf das Bauchgefühl zu verwenden, kann nützlich sein. Es dient der Prävention und dem Wohlbefinden.

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