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Chronische Kopfschmerzen: Faktor Einsamkeit

Wer unter chronischen Kopfschmerzen leidet, ist meist deutlich in seiner Lebensqualität und in seiner Alltagsführung eingeschränkt. Neue Erhebungen zeigen nun, dass einsame Menschen häufiger unter regelmäßigen Kopfschmerzen leiden. Einsamkeit, ein Thema, dem vor allem in Zeiten einer Pandemie eine große Bedeutung zukommt.

„Wir müssen damit aufhören, alles immer nur alleine oder mit dem Smartphone zu machen. Diese vielen kleinen Interaktionen zwischen Fremden sind der Klebstoff, der unsere Gesellschaft zusammenhält.“ – Manfred Spitzer

Einsamkeit: Ein Symptom der Pandemie

Vor allem bei älteren Menschen war Einsamkeit auch schon ein Thema, bevor das Coronavirus seinen Weg nach Europa fand. Etwa die Hälfte der über 65-jährigen lebt in Deutschland alleine, wobei die Tendenz eher steigt. Wohnt die eigene Familie weiter weg oder ist schlicht nicht vorhanden, können Todes- oder Krankheitsfälle im Bekanntenkreis schnell zu einem Verschwinden von sozialen Kontakten führen. Auch eigene Krankheiten und eine eingeschränkte Mobilität spielen eine Rolle.

Mit Beginn der Corona-Pandemie hat sich dieses Problem massiv verschlimmert. Um Eltern und Großeltern zu schützen, mussten viele Besuche bei älteren Menschen für einen langen Zeitraum ausgesetzt werden. Aber auch junge Menschen sind von Einsamkeit betroffen. Neuen Umfragen zufolge fühlen sich etwa 60 Prozent der 15- bis 30-Jährigen einsam. Ursachen hierfür sind die strikten Lockdown-Phasen, aber auch dauerhafte Neuerungen, wie etwa die steigende Anzahl des Arbeitens im Home-Office. Jugendliche mussten während der Schulschließungen quasi dauerhaft auf Kontakte zu Gleichaltrigen verzichten, obwohl dies gerade im Teenageralter essentiell für die Entwicklung ist.

Zusammenhang zwischen Einsamkeit und chronischen Kopfschmerzen?!

Als chronisch werden Kopfschmerzen bezeichnet, wenn an mindestens 15 Tagen im Monat über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten Beschwerden auftreten. Einige Studien legen nahe, dass einsame Menschen häufiger unter chronischen Kopfschmerzen leiden als solche, die sich sozial gut eingebunden fühlen. Bisher ist lediglich ein Zusammenhang und keine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung nachgewiesen. Allerdings ist schon seit längerem bekannt, dass Einsamkeit mit vielen psychosomatischen Beschwerden einhergeht.

Doch warum macht soziale Isolation chronische Kopfschmerzen? Ein möglicher Grund könnte in dem Stressempfinden der Betroffenen liegen. Einsame Menschen sind gestresster, Stress wiederum ist an der Entstehung von Kopfschmerzen beteiligt.

Forschungsergebnisse eines Ulmer Hirnforschers legen außerdem nahe, dass Schmerz und Einsamkeit im Gehirn die selben Regionen aktiviert. Wurden Schmerzreize gegeben, waren bei Probanden die gleichen Areale aktiv wie bei dem Ausschluss aus einer Spiel-Gemeinschaft. Die Erklärung dafür sehen die Forscher evolutionär bedingt: Unsere Schmerzzentren im Gehirn sind eigentlich dafür zuständig, uns vor gefährlichen Zuständen zu warnen. Und in der Urzeit war auch der Verlust der sozialen Gruppe ein lebensbedrohlicher Zustand. Dies bestätige sich auch in der medizinischen Praxis: Patienten, die chronisch unter Schmerzen leiden, brauchen in der Regel weniger schmerzstillende Medikamente, wenn sie sich sozial gut angebunden fühlen.

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