Herausforderungen und Herangehensweisen mithilfe der Sportpsychologie

Motivationspsychologischer Aspekt von Gesundheitsförderung – Herausforderungen und Herangehensweisen mithilfe der Sportpsychologie

Die Funktionsweise des Gehirns

In unserem Gehirn bestehen sogenannte neuronale Bahnen. Unsere gelernten und ständig angewandten Denk- und Verhaltensweisen sind hoch aktivierte, neuronale Bahnen. Die “Autobahnmetapher” verdeutlicht dieses neurobiologische Phänomen: Unser Gehirn greift leichter und schneller auf “gut befahrene” Bahnen zurück. So bestimmt das, was wir denken und tun unser nachfolgendes Denken und Tun.

Unbewusste Glaubensmuster

Eine weitere Herausforderung stellen unsere, im Laufe des Lebens gelernten unbewussten und bewussten Glaubensmuster dar. Vor allem, wenn diese von Ängsten geprägt sind, können sie schnell und zuverlässig als Selbstsabotageprogramm fungieren. So leiden viele Menschen unter “der Angst vor Neuem”, bleiben “lieber in dem bekannten Leid”, weil sie erwarten, dass “es eh nicht geht” oder glauben sie sind “nicht gut genug” und sabotieren sich unbewusst, wenn es um die Erfüllung ihrer Ziele geht.

Die gute Nachricht

Jedes gelernte Muster lässt sich umlernen. Ich brauche dafür nur die richtige Motivation und etwas Zeit. Neurowissenschaftler sprechen von den magischen einundzwanzig Tagen, welche mindestens notwendig sind, die neuronalen Bahnen im Gehirn zu verändern, um dadurch eine neue Gewohnheit zu lernen. Je nach Intensität und Tiefe des Musters ist jedoch meist mehr Zeit notwendig. Übung und setige Wiederholung führen dazu, dass sich neue, noch nichht gut “befahrene” Wege etablieren können und zum Verhalten erster Wahl werden. Nichts destotrotz bewirkt der Beweggrund den Anstoß des Umdenkens.

Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg (Laozi)

Ein beliebtes Zitat in der Sportpsychologie - Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg (Laozi)

Die Analyse der derzeitigen Situation ist die Voraussetzung für eine klare Zielformulierung. Nur wenn ich meinen IST-Zustand kenne und erkannt habe, was es mich kostet, in diesem Zustand zu verharren, kann ich ein klares Ziel formulieren und Motivation für eine Veränderung aufbringen. Dabei ist es von Vorteil zu erkennen, was, unabhängig von der Angst der Veränderung bzw. des Neuen, der Nachteil der jetzigen Situation ist. Was geht verloren? Was fehlt mir? Was für Ressourcen werden verschwendet? Und was kann ich nicht ausschöpfen, was jedoch möglich wäre, wenn ich eine Veränderung herbeiführe?

Auch sogenannte sekundäre, unbewusste Krankheitssymptome und eingeschliffene Gewohnheiten sollten nicht außer Acht gelassen werden. Am Beispiel “Krankheit” aufgezeigt: Es mag unangenehm sein, eine Grippe zu haben, jedoch die erhaltene emotionale Zuwendung des Partners in dieser Situation kann ein sekundärer Krankheitsgewinn sein.

Wer bin ich – wer sind wir?

Die nächste, zentrale Frage, um ein klar umsetzbares Ziel formulieren zu können, welches spürbaren Gewinn und Erfolg mit sich bringt, ist die Frage nach dem: Wer bin ich? Wer sind wir? Nur wenn jeder seine Ressourcen und Fähigkeiten kennt, kann er seinen Platz einnehmen und seinen Beitrag zum Gesamterfolg leisten. In einem Fußballteam bedeutet dies, klar seine Stärken zu erkennen und dadurch den richtigen Platz einzunehmen, um so garantieren zu können, auch seine Leistung zu erbringen. Dito in einem Betrieb.



Erst aus der Analyse der IST-Situation und dem gemeinsamen Kontext des “Wer sind wir” kann sich ein klares Ziel ergeben. Das Ziel: “Wer können wir sein”, wenn wir unsere alten, einschränkenden Glaubensmuster verändern und Ängste in Motivation und Kraft umwandeln.

Die richtige Motivation kommt von Innen

In der Sportpsychologie unterscheidet man zwischen intrinsischer (von Innen kommender) und extrinsischer (von Außen kommender) Motivation. Um dauerhaft erfolgreich zu sein ist die intrinsische Motivation unabdingbar. Dazu benötigt es die Erkenntnis: Wozu das Ganze? Was ist meine Belohung? Was ist mein Gewinn? Vielen scheint meist die Frage nach dem Gewinn eine sehr egozentrische zu sein. Jedoch basiert unser Überleben nur auf dieser einen zentralen Frage: “Was habe ich für einen Gewinn, wenn ich in diese Handlung Energie investiere?” Nicht erfolgreiche Handlungen, welche jedoch ein hohes Level an Energie verbrauchen, kann sich kein Lebewesen auf Dauer leisten. Auch neurobiologisch betrachtet ist unser Gehirn auf Belohnungen vesiert. Im sogenannten Belohungszentrum im Gehirn wird bei Erwartung von Belohnung Dopamin ausgeschüttet – welches eine zentrale Rolle für das Motivationsverhalten spielt.

Im Sein liegt das Tun (Edith Stadelmann)

Zuguterletzt, wenn es um die Umsetzung geht, ist im Spitzensport das zentrale Thema die Achtsamkeit. Das gewahrte Sein. Das Tun im Jetzt. Ein Sportler kann nur erfolgreich sein, wenn er mit seinem Fokus nach Innen geht, sich auf das konzentriert, was er macht und nicht in Vergleiche und Konsequenzendenken im Außen rutscht. Das ist das Geheimnis des Erfolgs. Die bewusste Analyse findet zuvor statt, das mentale Umlernen und Umdenken – dann kommt die Phase der Umsetzung – das Leben im Gefühl. Das Tun aus dem Sein heraus. Es hat viel mit sich einlassen zu tun – sich dem Erarbeiteten hingeben und “fließen lassen”. Der Verstand hat nun Ruhepause. So kann der Sportler aus dem Vollen schöpfen. Achtsam in jedem Moment – ganz verbunden in sich. Den Zugang zu den Kräften, wo sie sich befinden – ganz tief im Innersten.

Mag. Dr. Edith StadelmannMag. Dr. Edith Stadelmann ist Klinische-, Gesundheits- und Sportpsychologin sowie Doktor der medizinischen Wissenschaften und Betriebliche Gesundheitsförderung-Beraterin. Sie ist seit Jahren in eigener Praxis, leitet Workshops zu diversen Themen und arbeitet mit Spitzensportlern.

Mehr Informationen auf www.dr-edith-stadelmann.eu

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