Beziehungskrisen vorbeugen = Umgang mit Veränderungen lernen

Gibt es Maßnahmen zur Vorbeugung gegen Beziehungskrisen? – Liebesglück ist für viele Menschen Lebensziel Nummer Eins. Nähe und Bindung schaffen, die Welt mit den Augen des Partners neu erleben, die gemeinsame Entdeckung unterschiedlicher Lebensphasen – Beziehungen sind Abenteuerreisen.

Beziehungskrisen rechtzeitig vorbeugen

Das romantische Liebesideal sagt uns: „Wer den Richtigen gefunden hat, bleibt bis an sein Lebensende glücklich.“ Doch im Umkehrschluss bedeutet dies: „Wenn ich nicht mehr glücklich bin, dann scheint es nicht der Richtige zu sein.“ Das bringt viele Paare dazu, sich selbst und ihre Beziehung in Frage zu stellen, wenn es mal nicht so richtig rund läuft. Solche Zweifel können neue Impulse setzen – wenn die Partner auf die Veränderungen von innen und außen auf ihre Beziehung gemeinsam reagieren können. Letztlich ist dies ja einer der Gründe, weshalb sich Menschen als Paar zusammentun: Weil zu zweit das Gefühl nicht bestehen zu können gegen die Umwälzungen um einen herum, weniger bedrohlich ist. Weil es Stärke gibt, Liebe schenken und annehmen zu können. In einer Beziehung sind Partner deshalb immer zwischen Neuem und Bewährten hin- und hergerissen. Auf der einen Seite die Rituale, die verbinden, die aber Gefahr bergen, sich für selbstverständlich zu nehmen. Auf der anderen Seite das Einlassen und Entdecken von Neuem, verbunden mit dem Risiko, dass die Entdeckungen bei den Partnern unterschiedliche und vielleicht nicht kompatible Wünsche erzeugen. Beziehungen verkümmern, wenn Spannung ausbleibt und alles Routine wird. Gleichzeitig können neue Erfahrungen eine Bedrohung darstellen.

Sie verändern sich täglich, Ihr Partner verändert sich – deshalb verändert sich auch Ihre Beziehung. Nichts bleibt lange, wie es ist. Diese Wahrheit zu akzeptieren hilft, Ihre Beziehung zu verbessern und vielleicht sogar zu retten, wenn es doch kriselt.

Jeder Mensch verändert sich. Sie auch.

In der Paarberatung klagt häufig ein Partner: „Mein Partner hat sich verändert.“ Dahinter steckt immer der Wunsch, diese Veränderung rückgängig zu machen oder wenigstens aufzuhalten. Gepaart mit einer nostalgischen Hoffnung, die anfängliche Verliebtheit wieder zu erleben. Aber ganz ehrlich: Sind Sie noch der Mensch, der Sie vor Jahren waren? Ja. Und nein. Sie sind der Mensch, in den sich Ihr Partner verliebt hat – und gleichzeitig sind Sie es nicht mehr. Zu Beginn Ihrer Beziehung blieb viel Ihrer Fantasie überlassen. Sie konnten sich vorstellen, wie es wäre, gemeinsam zu verreisen, ein Wochenende in einer fremden Stadt zu verbringen, die Schwiegereltern zu besuchen oder Babysachen zu kaufen und das Kinderzimmer zu planen. Heute wissen Sie viele Dinge, die Sie damals nur erahnen konnten.



Ihre gemeinsamen Erfahrungen haben Ihren Blick auf die Zukunft und auf Ihren Partner verändert. Sie wissen nun, dass Sie beim Wochenend-Trip diskutieren werden, wie teuer das romantische Dinner am Abend werden darf, dass Sie sich im fremden U-Bahn-Netz verfahren und anschließend darüber streiten werden, wer sich nun zu wenig vorbereitet hat und warum das Datenvolumen für den Online Stadtplan schon wieder aufgebraucht ist. Sie werden anders planen, weil Sie nun andere Erwartungen haben. Sie werden Ihr Verhalten verändern, um alten Konflikten auszuweichen und neue nicht zu provozieren.

Jeden Tag verändern wir uns und unsere Beziehung

Gerade weil Paare sich so sehr auf eine gemeinsame freie Zeit wie Urlaub freuen, verwende ich gerne das Bild der Reise, um kleine Veränderungen bewusst zu machen. Denn Ihre Beziehung ist eine gemeinsame Reise, Tag für Tag, Woche für Woche und hoffentlich Jahr für Jahr. Sie wissen nicht ganz genau, was Sie erwartet, aber mit zunehmender Erfahrung werden Sie immer sicherer, ganz genau zu wissen, was auf Sie zukommt. Sie kennen die Diskussion am Taxistand bei der Ankunft ebenso wie die beim CheckIn am Schalter über das Übergepäck. Entweder diskutieren Sie jedes Mal mit den alten Argumenten – oder Sie fügen neue hinzu. Oder Sie schweigen und machen Atemübungen zur Beruhigung.

Beziehungen benötigen Veränderungen

Es gibt Paare, die verreisen immer wieder an dasselbe Ziel. Dieses Ritual ist planungssicher, verschafft Geborgenheit und sorgt für Vertrauen, denn es minimiert die Gefahr unliebsamer Überraschungen. Andere Paare möchten auf keinen Fall die Chance verpassen, etwas Neues zu erleben und verreisen grundsätzlich nur an ihnen bis dahin unbekannte Orte. Sie möchten sich gegenseitig dabei erleben, andere Erfahrungen zu machen. Sie wünschen sich, die eigene Wahrnehmung zu erweitern durch den Austausch mit dem Partner und seinen Eindrücken. Beide Strategien sind also durchaus plausibel und sinnvoll.

Die Mischung aus Neuem und Bewährtem macht es

Sie haben keinen Einfluss auf die Einwirkungen von außen. Nicht bei ihrem Urlaubsort: vielleicht hat ein Sturm den Sandstrand abgetragen, vielleicht hat das Hotel den Besitzer gewechselt, vielleicht wird der Pool gerade saniert. Und ebenso wenig bei Ihrer Beziehung: vielleicht wird ein Teil Ihrer Schwiegereltern krank, vielleicht wird der Arbeitgeber Ihres Partners von einem Konkurrenten geschluckt, vielleicht gewinnen Sie im Lotto.

Die Furcht vor Veränderung ist eine Grundform der Angst

Wir wünschen uns eigentlich nicht, dass alles bleibt, wie es ist. Wir wünschen uns, dass das Gute bleibt und das Schlechte verschwindet. Letztlich wünschen wir uns also Veränderung. Aber eben nur eine bestimmte. Leben ist Anpassung an immer neue Anforderungen. Manche Menschen lieben das sogar. Sie streben nach Veränderung, nach neuen Eindrücken. Sie fürchten sich vor Stillstand, sie scheuen Beständigkeit, weil sie neue Eindrücke und Reize suchen, um immer wieder das Kribbeln des Unbekannten zu erleben.

Furcht vor Stillstand ist der Gegenspieler der Furcht vor Veränderung

Es ist eine Frage der Persönlichkeit, ob Ihnen nun Veränderung mehr zusagt als Beständigkeit. Daran haben Ihre Eltern an einen Anteil, Ihre individuellen Erfahrungen, Ihre persönlichen Prägungen. Jeder ein klein wenig anders als andere. Deshalb wird Ihre Haltung sich auch mindestens ein klein wenig von der Ihres Partners unterscheiden. Wenn Sie zurückblicken auf frühere Beziehungen, erkennen Sie möglicherweise ein Muster. Empfanden Sie damals stärker einen Wunsch nach Veränderung als heute? Oder den nach Beständigkeit? Hat sich Ihre Haltung verändert?

Machen Sie eine Flussreise

Eine sehr schöne und überraschend intensive Intervention aus der Paarberatung ist das gemeinsame Malen der Beziehung als ein Fluss. Wie sieht die Quelle Ihres Flusses aus? Wo lagen Stromschnellen? Wann lief der Fluss in ruhigen, wann in bewegten Gewässern? Wann sind Sie in einen Nebenstrom abgebogen? Selbst wenn sie nicht die Spur malen können, das Ergebnis dieser Übung wird ein kleines Kunstwerk sein, ein Unikat, das sich nirgendwo sonst finden kann. Wenn Sie sich, Ihrem Partner und Ihrer Beziehung etwas Gutes tun möchten: Gönnen Sie sich zwei Stunden für diese Übung. Sie werden gemeinsam Erinnerungen zurückrufen, die Sie längst vergessen glaubten und erkennen, wie sehr diese Sie und Ihre Partnerschaft beeinflusst haben.

Eric HegmannEric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Chefredakteur des Magazins beziehungsweise (https://www.beziehungsweise-magazin.de). Er hat über ein Dutzend Bücher rund um Partnersuche und Partnerschaft veröffentlicht (beziehungsweise – Das Buch für mehr Liebe, Knaur) Auf seiner Webseite bietet er auch Online Kurse an, beispielsweise „Die Sprache der Liebe“ (https://www.eric-hegmann.de/die-sprache-der-liebe) ein Kommunikationskurs für Paare und Einzelpersonen.

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